Messi schreibt WM-Geschichte: 19 Tore, sechs in einer Gruppenphase und Argentinien auf Platz zwei
Lionel Messi überholt mit 19 Toren Miroslav Klose als bester WM-Torschütze aller Zeiten, trifft in sieben WM-Spielen in Folge und führt Argentinien als Titelverteidiger ins Achtelfinale gegen Cabo Verde.
Veröffentlicht: 30.6.2026
Genau 20 Jahre nach seinem WM-Debüt 2006 stand Lionel Messi wieder auf der größten Bühne des Fußballs und tat das, was er an diesem Punkt seiner Karriere eigentlich nicht mehr beweisen musste: Er schrieb Geschichte. Drei Spiele, sechs Tore, ein Rekord, den niemand mehr für möglich gehalten hatte. Mit 38 Jahren ist Messi nicht der Statist seiner sechsten Weltmeisterschaft, er ist ihr Hauptdarsteller.
Der Hattrick, der alles in Gang setzte
Am 16. Juni eröffnete Argentinien das Turnier gegen Algerien im Arrowhead Stadium in Kansas City, und Messi machte aus dem Auftakt eine Feier seiner selbst. Ein Hattrick beim 3:0, exakt zwei Jahrzehnte nach seinem ersten WM-Einsatz. Die drei Treffer hoben seine WM-Bilanz von 13 auf 16 und stellten ihn damit gleichauf mit Miroslav Klose, dem deutschen Rekordhalter. Sein Rekord, seine sechste WM, sein Tag. Wer geglaubt hatte, dieses Turnier werde ein Abschiedsspaziergang, lag schon nach 90 Minuten falsch.
Sechs Tage später, am 22. Juni im AT&T Stadium in Arlington, knackte er die Marke endgültig. Beim 2:0 gegen Österreich traf Messi doppelt, der erste Treffer fiel um die 39. Minute, der zweite in der Nachspielzeit. Bemerkenswert: Zuvor hatte er einen Elfmeter vergeben, ein seltener Patzer, den er mit zwei Toren aus dem Spiel heraus selbst korrigierte. Damit zog er allein an Klose vorbei und führte die ewige Torschützenliste der WM nun mit 18 Treffern an.
Den vorläufigen Schlusspunkt setzte er am 27. Juni, erneut in Arlington, beim 3:1 gegen Jordanien. Von der Bank gekommen, verwandelte Messi einen direkten Freistoß zu seinem sechsten Turniertor und seinem 19. WM-Treffer insgesamt. Giovanni Lo Celso und Lautaro Martinez trafen ebenfalls. Argentinien schloss die Gruppe J makellos ab.
Was diese Zahlen wirklich bedeuten
19 Tore bei Weltmeisterschaften. Das ist der neue Maßstab für alle, die nach ihm kommen, drei mehr als Klose, der die Bestmarke ein Jahrzehnt lang hielt. Doch die Bestmarke ist nur der Anfang. Messi ist der erste Spieler der WM-Geschichte, der in sieben aufeinanderfolgenden WM-Spielen getroffen hat, eine Serie, die bis in die K.-o.-Runde von 2022 zurückreicht. ESPN ordnet ihn zudem in eine winzige Gruppe ein: Als erst fünfter Spieler überhaupt erzielte er sechs oder mehr Tore in einer einzigen Gruppenphase.
Dazu kommen die Rekorde, die sich kaum noch in einem Satz fassen lassen. Messi bestreitet mit 29 die meisten WM-Spiele aller Zeiten, Cristiano Ronaldo folgt mit 25. Es ist seine sechste Weltmeisterschaft, auch das ein Novum. Der einzige aktive Spieler, dem man zutraut, sich dem Torrekord eines Tages zu nähern, ist Kylian Mbappe, und der ist neun Jahre jünger.
Platz zwei, mit einem großen Aber
Nach der Gruppenphase setzen mehrere US-Medien, darunter ESPN, CBS Sports und NBC Sports, Argentinien in ihren Power-Rankings auf Rang zwei, nur hinter Frankreich. Die Einordnung kommt mit einer klaren Warnung. CBS und NBC schreiben, der Lauf der Albiceleste sei "fast vollständig auf Messi gebaut". Lionel Scalonis Mannschaft sei defensiv hervorragend organisiert, aber eben auch "ein kleineres, technisches Team", das in der K.-o.-Runde auf körperlich überlegene Gegner treffe. Der Titelverteidiger von 2022 ist gefürchtet, aber niemand hält ihn für unverwundbar.
Die Tabelle der Gruppe J spricht für sich: Argentinien Erster mit neun Punkten aus drei Siegen, Österreich Zweiter mit vier Zählern, Algerien Dritter mit ebenfalls vier Punkten und als einer der besten Gruppendritten weiter (Gegner: Schweiz), Jordanien als Vierter ohne Punkt ausgeschieden.
Scaloni schont, Messi rechnet nicht
Dass Messi gegen Jordanien erst eingewechselt wurde, war kein Zufall, sondern Strategie. "Heute hätte er 90 Minuten spielen können", sagte Scaloni, "und ohne unsere Gegner herabzuwürdigen: Er wollte, dass seine Freunde, seine Mitspieler Zeit auf dem Platz bekommen, und sich auch selbst schonen für das, was kommt. Denn er denkt nicht so sehr an die Zahlen, über die alle reden."
Messi selbst gab sich nüchtern. "Natürlich ist unser Plan immer, jedes Spiel zu gewinnen. Wir sind Argentinien. Schritt für Schritt. Das ist lang, es ist schwierig, und wir müssen uns so vorbereiten, wie wir uns für jedes Spiel vorbereiten."
Der Weg durch die K.-o.-Runde
Im Achtelfinale, der Runde der letzten 32, trifft Argentinien am 3. Juli in Miami auf Cabo Verde, das Überraschungsteam des Turniers und einen Debütanten, der sich zur Cinderella-Geschichte gemausert hat. Sollte Scalonis Elf weiterkommen, könnte als Nächstes Australien oder Ägypten warten, ehe im Viertelfinale ein Schwergewicht wie die Schweiz, Algerien, Kolumbien oder Ghana droht.
Die Rechnung ist einfach und doch heikel. Argentinien hat den besten Torschützen der WM-Geschichte in der Form seines Lebens und einen Trainer, der genau weiß, wie man ihn dosiert. Was dem Team fehlt, ist die Wucht der ganz Großen. Sechs Tore in einer Gruppenphase gewinnen keinen Pokal. Aber sie sind eine ziemlich gute Art, eine Titelverteidigung zu eröffnen.