Paraguay wirft Deutschland raus: WM-2026-Schock im Elfmeterschießen
Deutschland scheidet im Sechzehntelfinale der WM 2026 aus: Nach 1:1 verliert das Nagelsmann-Team mit 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay, ein historisches Debakel.
Veröffentlicht: 29.6.2026
In Foxborough ist an diesem Montagabend etwas passiert, das es in der gesamten WM-Geschichte noch nie gegeben hatte: Deutschland verlor ein Elfmeterschießen. Im Sechzehntelfinale der WM 2026 trennte sich die Nationalmannschaft 1:1 von Paraguay, ehe Gustavo Alfaros Außenseiter den Krimi vom Punkt mit 4:3 für sich entschieden. Aus deutscher Sicht steht das 3:4, und es bedeutet das Aus.
Es ist die wohl größte Sensation dieser Endrunde und eine der größten in der Turniergeschichte überhaupt. Deutschland reiste als Nummer zehn der Welt an, Paraguay stand auf Rang 41. Auf dem Papier ein klarer Favorit, auf dem Rasen ein Scherbenhaufen. Für die DFB-Elf ist es bereits das dritte WM-Debakel in Folge, nach den Vorrunden-Aus 2018 und 2022. Diesmal aber traf es das Team erst in der K.o.-Phase, und das macht den Schmerz nicht kleiner.
Enciso bestraft die deutsche Sorglosigkeit
Im Gillette Stadium von Foxborough, im Schatten Bostons, ging Paraguay in der 42. Minute in Führung. Matias Galarza flankte, Julio Enciso stieg am höchsten und köpfte ein. Es war Paraguays erstes Tor überhaupt in einer WM-K.o.-Runde, und es schickte die Südamerikaner mit einer Pausenführung in die Kabine, die niemand auf der Rechnung hatte.
Havertz antwortet, dann der VAR-Aufreger
Deutschland brauchte nach Wiederanpfiff nur Sekunden, um zurückzuschlagen. In der 48. Minute zirkelte Florian Wirtz den Ball in den Strafraum, Kai Havertz verlängerte per Kopf zum 1:1. Das Momentum kippte, doch die DFB-Elf schlug daraus kein Kapital.
In der Verlängerung schien die Entscheidung dann gefallen. Jonathan Tah köpfte nach einer Ecke ein und jubelte schon. Doch der Videobeweis nahm den Treffer zurück, weil Tah zuvor Paraguays Torwart Orlando Gill gefoult haben soll. Schiedsrichter Jalal Jayed aus Marokko entschied auf Freistoß. Es blieb beim 1:1, und es ging ins Elfmeterschießen, jenes Terrain, auf dem Deutschland über Jahrzehnte fast unschlagbar war.
Elf Schützen, drei deutsche Fehlschüsse
Das Drama vom Punkt schrieb seine eigene Geschichte. Havertz trat als erster Deutscher an und scheiterte an Gill. Mauricio glich für Paraguay aus. Joshua Kimmich und später Jamal Musiala trafen sicher, ebenso Gomez und Galarza auf der Gegenseite. Dann verschoss Nick Woltemade, erneut hielt Gill. Antonio Sanabria setzte seinen Versuch daneben, Nadiem Amiri verwandelte eiskalt. Manuel Neuer parierte gegen Balbuena und hielt Deutschland am Leben.
Doch dann trat Tah an und jagte den Ball über das Tor. Jose Canale blieb cool und verwandelte den entscheidenden Elfmeter zum 4:3. Gill, der Mann des Abends, hatte zwei Elfmeter pariert. Havertz, Woltemade und Tah hatten verschossen.
Für Deutschland ist es nicht nur das erste verlorene Elfmeterschießen bei einer WM überhaupt. Es ist Berichten zufolge erst die zweite Niederlage vom Punkt bei einem großen Turnier, nach dem EM-Finale 1976. Eine Gewissheit, die ein halbes Jahrhundert hielt, ist an einem Abend in Massachusetts zerbrochen.
Nagelsmann: "Ein kompletter Skandal"
Julian Nagelsmann tobte vor allem über die zurückgenommene Tah-Szene. "Es ist ein Skandal, dass er den Freistoß gegeben hat, ein kompletter Skandal", schimpfte der Bundestrainer. "Es gibt Spiele, die musst du schmutzig gewinnen, und dieses hätten wir schmutzig gewonnen."
An Rücktritt denkt er nicht. "Ich trete nicht zurück. Wenn der DFB will, dass ich bis 2028 bleibe, dann bleibe ich", sagte Nagelsmann. Havertz, der den ersten Elfmeter verschoss, fand bittere Worte: "Meine zweite WM, und wir haben es zum zweiten Mal vermasselt. Die letzten Turniere waren ein Desaster."
Paraguays Nacht, Deutschlands Frage
Während Deutschland nach drei Gruppenspielen an der Spitze der Gruppe E stand, dem 7:1 gegen Curacao, dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste und der 1:2-Niederlage gegen Ecuador, hatte Paraguay einen holprigen Weg hinter sich. Ein 1:4 gegen die USA, dafür ein 1:0 in Unterzahl gegen die Türkei. Genau diese Mannschaft schreibt nun Geschichte.
Paraguay zog ins Achtelfinale ein und trifft dort am Samstag in Philadelphia auf den Sieger der Partie Frankreich gegen Schweden. In der Heimat wurde nach dem Schlusspfiff ein nationaler Feiertag ausgerufen. Kapitän Gustavo Gomez brachte den Abend auf den Punkt: "Heute war ein Spiel, in dem wir mehr Paraguay sein mussten als je zuvor."
Für Deutschland bleibt die Frage, wie es so weit kommen konnte. Drei Turniere, drei frühe Enden. Diesmal nicht in der Vorrunde, sondern vom Punkt, und diesmal mit einem historischen Stempel, den keiner im DFB jemals tragen wollte.